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Washington D.C., USA. Gleich gegenüber der Weltbank versorgt Martha’s Table Obdachlose mit Suppe - viele von ihnen einst gut situierte Leute, deren Rente nicht zum Leben reicht. In West Palm Beach, Florida, gibt der US-Bürger und erfolgreiche Buchautor John Perkins Einblick in seinen ehemaligen Beruf als Wirtschaftskiller (Economic Hit Man). Ihre Arbeitsweise ähnele denen der Mafia, nur seien ihre Methoden professioneller und ihre Opfer Regierungen oder ganze Länder.

Perkins erzählt sehr freimütig: „Wirtschaftskiller suchen ein Land mit Ressourcen aus, mit denen unsere Firmen arbeiten. Erdöl zum Beispiel. Dann arrangieren wir einen riesigen Kredit für das Land von der Weltbank oder einer ihrer Schwesterorganisationen. Doch dieses Geld kommt nie in diesem Land an. Stattdessen fließt es an unsere Firmen, die dafür riesige Infrastrukturprojekte in dem Land abwickeln. Dinge, die wenigen Reichen in dem Land nützen sowie unseren Firmen. Doch den meisten Menschen bringen sie nichts, weil sie zu arm dafür sind. Doch die arme Bevölkerung muss nun riesige Schulden abtragen, so riesig, dass sie sie niemals zurückzahlen können. Doch bei dem Versuch, die Schulden zurück zu zahlen, kommen sie in eine Lage, wo sie sich weder Gesundheits- noch Ausbildungsprogramme leisten können. So sagen die Wirtschaftskiller zu den Leuten: Ihr schuldet uns viel Geld. Ihr könnt eure Schulden nicht bezahlen, also zahlt uns in Naturalien. Verkauft euer Öl billig an unsere Ölfirmen, stimmt bei der nächsten kritischen UNO-Abstimmung mit uns. Unterstützt unsere Truppen, z.B. im Irak. Auf diese Art und Weise gelang es uns, dieses Imperium zu schaffen. Denn Tatsache ist: Wir schreiben die Gesetze. Wir kontrollieren die Weltbank. Wir kontrollieren den Internationalen Währungsfonds. Wir kontrollieren sogar die UNO in hohem Maße. Wir schreiben also die Gesetze. Insofern tun Wirtschaftskiller nichts Ungesetzliches. Ländern große Schulden aufbürden und dann eine Gegenleistung verlangen, ist nicht verboten. Es sollte verboten sein, ist es aber nicht.“

Die USA verstanden es erfolgreich, dem Rest der Welt ihre Währung aufzuzwingen. Bis Anfang der siebziger Jahre war die Golddeckung der Währungen maßgeblich. 1971 hatten die USA besonders wegen des Vietnamkrieges einen riesigen Schuldenberg angehäuft und Richard Nixon wäre nicht in der Lage gewesen zu zahlen, wenn ein Gläubigerland sein Geld zurück gefordert hätte, da diese Schulden längst nicht mehr durch Gold gedeckt waren. Man
beschloss, von der Goldbindung auf eine Erdölbindung umzusatteln.

Die USA bestanden darauf, dass die OPEC Erdöl nur gegen Dollar verkaufen durfte. Plötzlich war der Dollar nicht mehr an Gold gebunden, sondern an Erdöl - angesichts heutiger Ölpreise eine viel wichtigere Bindung. Die Welt konnte Erdöl nur noch mit Dollars bezahlen, was den Wert und die Bedeutung der amerikanischen Währung dramatisch erhöhte. John Perkins, der eine wichtige Rolle bei dem Pakt spielte, den die USA mit Saudi-Arabien schlossen, meint: „Auch heute sind die USA wieder ein bankrottes Land. Wir haben riesige Schulden, mehr als jemals ein anderes Land hatte. Wenn irgendeines der Länder sein Geld in einer anderen Währung als Dollar fordern würde, dann wären wir in großen Schwierigkeiten. Aber jetzt wollen alle ihr Geld in Dollar, weil Erdöl so ein wichtiges Produkt ist und man es nur in Dollar kaufen kann. Saddam Hussein drohte, Erdöl auch gegen eine andere Währung zu verkaufen. Kurz bevor er gestürzt wurde.“

Wenn es den Wirtschaftskillern einmal nicht gelinge, die Regierung eines Landes zu korrumpieren, würden die Schakale losgeschickt, erklärt Perkins. Und weiter: „Das sind Menschen, die Regierungen stürzen oder deren Führer ermorden. Als ich an Jaime Roldós in Equador und Omar Torrijos in Panama scheiterte, traten die Schakale auf den Plan und ermordeten sie.“

Nur in den seltenen Fällen in denen weder Wirtschaftskiller noch Schakale Erfolg hatten, werde Militär ausgeschickt. Laut Perkins ist genau das im Irak passiert. Hussein erwies sich als nicht korrumpierbar – zumindest nicht durch Wirtschaftskiller - und die Schakale erwischten ihn nicht. Im ersten Irakkrieg 1991 zerstörte amerikanisches Militär seine Armeen. Als er noch immer nicht nachgab, wurden abermals Wirtschaftskiller entsandt, die erfolglos versuchten, ihn weich zu klopfen. „Hätte er nachgegeben, würde er heute noch regieren. Wir würden ihm Flugzeuge und Panzer und sonst noch alles mögliche verkaufen“, meint Perkins, „aber er gab nicht nach und die Schakale konnten ihn nicht ermorden. ... Als weder die Wirtschaftskiller noch die Schakale beim zweiten Mal Erfolg hatten bei Saddam Hussein, war der Augenblick da, wo wir wieder das Militär geschickt haben. Und diesmal haben wir ihn gestürzt. Der Rest ist Geschichte.“