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Befürchtungen für neues Rekordminimum bestätigt

Bremen (pte019/09.09.2011/13:25) - 4,240 Mio. Quadratkilometer groß war die Meereseis-Fläche in der Arktis am gestrigen 8. September. Das ist ein neues historisches Minimum, das den bisherigen Rekordwert von 2007 um knapp 30.000 Quadratkilometer unterbietet. Das zeigen Umweltphysiker der Universität Bremen http://www.iup.uni-bremen.de, die auf Grundlage von ESA-Satellitenmessungen tagesaktuelle Karten zur Ausdehnung des Meereseises erstellen.

Eis wird weniger und dünner

Schon im Juli kündigte sich der massive Eisverlust dieses Jahres an. "Im Juli steht die Sonne am höchsten und erwärmt das Meer. Das entscheidet darüber, wie lange der arktische Ozean beim alljährlichen Eisminimum im September braucht, um wieder abzukühlen und neues Eis zu bilden", erklärt Studienleiter Georg Heygster im pressetext-Interview. Gut möglich sei, dass die Eisbedeckung in den kommenden Wochen noch weiter schrumpft.

Das Septemberminimum sagt viel mehr über den Zustand der Arktis aus als die Eisbedeckung im Winter, die jedes Jahr im März ihren Höhepunkt erreicht. "Das Eismaximum im März liegt bei rund 15 Mio. Quadratkilometer, geht jedoch im Jahresvergleich kaum zurück. Das Meer friert im Winter auch weiterhin großflächig zu, doch der Anteil des einjährigen, dünneren Eises wird immer größer", so der Experte.

Folgen für Biologie und Klima

Seit 1972 die Satellitenvermessung begann, verkleinerte sich die arktische Sommereis-Fläche um 50 Prozent. Ein Wandel, dessen Folgen kaum zu unterschätzen sind, schmilzt doch einjähriges Eis deutlich schneller. Zudem leben an der Eisunterseite viele Kleinlebewesen, die Grundlage der marinen Nahrungskette der Fische, Säugetiere und auch des Menschen sind. Da diese Lebewesen mehrere Jahre zur Besiedelung brauchen, schrumpft ihr Lebensraum mit dem Verlust des Mehrjahres-Eises ähnlich dramatisch wie für Vögel, Eisbären und Robben.

Als Grund für den Eisrückgang bezeichnen die Forscher den vom Menschen verursachten Klimawandel, da die natürliche Variabilität keine Erklärung liefert. Zusätzlich beschleunigt die Eisschmelze jedoch auch diesen Prozess, da zu Wasser geschmolzenes Eis dunkler ist, mehr Sonnenstrahlung aufnimmt und somit die Erwärmung des Meeres gesteigert wird, was als "Eis-Albedo-Effekt" bezeichnet wird.

Route frei für Schifffahrt

Doch es gibt auch Nutznießer dieser Entwicklung. Da die Nordostpassage nördlich Sibirien sowie die Nordwestpassage zwischen Grönland und Kanada im Moment gleichzeitig frei sind - zuvor war das erstmals im Jahr 2008 der Fall - wird die Arktis im Sommer für Schiffsrouten interessant. Nach zwei Beluga-Schiffen 2008 gelang kürzlich einem Öltanker von Houston, Texas nach Map Ta Phut, Thailand die Durchquerung in einer Rekordzeit von acht Tagen.

Aktuelle Karte des Meereseises unter http://www.iup.uni-bremen.de/seaice/amsr/ .

Quelle: pressetext.redaktion