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1291994525i25859Kompromiss der UN-Klimakonferenz leistet Vorarbeit für 2011

Logo der UN-Klimakonferenz in Cancun: Arbeit an der Vertrauensbasis (Foto: COP16)

Cancun/Zürich (pte/11.12.2010/10:10) - Die UN-Klimakonferenz in Cancun ging am Freitagabend in die letzte Runde. In einem zähen Ringen bis in die Nachtstunden mexikanischer Ortszeit einigten sich die großen Staaten auf Kompromisslösungen, die allerdings unverbindlich sind. Bis zuletzt widersetzte sich Bolivien der Zustimmung, weshalb die Konferenz entgegen des ursprünglichen Konferenzprogramms am Freitag noch nicht beendet wurde. Wann am heutigen Samstag eine Beschlussfassung erfolgt ist bisher unklar (Stand bei Redaktionsschluss um 10 Uhr).

Kyoto-Fortführung und Klimaziele

Anerkannt wurde von den Staaten, dass die Erderwärmung auf maximal zwei Grad beschränkt werden soll. Fortschritte gab es auch in der Einrichtung eines Hilfsfonds, beim Waldschutz und in der Technologiekooperation. Die Basis für einen neuen, bindenden Weltklimavertrag ist somit geschaffen sein, dessen Beschluss jedoch erst frühestens bei der Klimakonferenz 2011 im südafrikanischen Durban fallen kann.

Gelobt wurde von den Teilnehmern besonders die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa, die zugleich die Konferenz leitete. Sie hob in einem Pressestatement am Freitagabend hervor, dass die erarbeiteten Dokumente nicht die Handschrift Mexikos, sondern jene aller teilnehmenden Staaten besitzen.

Erfolg für die Politiker

Politisch betrachtet, liefert Cancun ein positives Zeichen, erklärt Reto Knutti, Klimaphysiker am Institut für Atmosphäre und Klima des Departements Umweltwissenschaften der ETH Zürich http://www.env.ethz.ch/research/3, im pressetext-Interview. "Es ist nicht selbstverständlich, dass die 194 Staaten gemeinsam nach einer Lösung des Klimaproblems suchen und sich einig sind, was das Ziel wäre - nämlich eine Begrenzung der Globalerwärmung auf höchstens zwei Grad."

Aus wissenschaftlicher Sicht sei das Resümee allerdings negativ. "Verhandelt man so wie in Cancun, so wird das Ziel nie erreicht. Die Politik sagt zwei Grad, steuert aber tatsächlich auf vier Grad zu. Die bisherigen Vorschläge sind absolut ungenügend und zudem inkonsistent mit dem, was man will", urteilt Knutti.

Arbeit am Fundament

Einige Staaten - vor allem die kleinen Inselstaaten - hatten in Cancun die Erreichung von 1,5 Grad gefordert. Dies soll im Zeitraum 2013 bis 2015 geprüft werden, wenn auch Studien des PIK Potsdam dieses Ziel bereits als erreichbar bezeichnen (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/101210004/ ). Knutti sieht die Forderung aus heutiger Sicht dennoch als Utopie. Zu hinterfragen sei zudem, was Politiker zu solchen Forderungen bewege. "Während manche dieses Ziel schaffen wollen, versuchen andere womöglich, dadurch Druck zu machen oder höhere Zahlungen der Industriestaaten für Anpassungsmaßnahmen der Entwicklungsländer herauszuschlagen."

Insgesamt habe man von den Misserfolgen der Vorjahres-Konferenz gelernt, resümiert Knutti. "Obwohl in Kopenhagen die höchsten Regierungsminister vertreten waren, kam es auch damals zu keinem Abkommen. Vielmehr zerstörte der Alleingang einiger Länder, die ein Dokument vorbereiteten, viel Vertrauen. In Cancun versuchte man nun, dieses Vertrauen wieder aufzubauen." Dazu gehören das mühsame, für Medien kaum attraktive Errichten eines gemeinsamen Fundaments durch kleine Fortschritte, die sehr wohl eine wichtige Vorarbeit für die Klimakonferenz 2011 im südafrikanischen Durban seien. (Ende)

Quelle: pressetext.redaktion