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Am heutigen Tag (dem 22. März), an dem die Welt den Welt-Wasser-Tag begeht (1), ruft Free Tibet die internationale Gemeinschaft auf, dringend etwas zu unternehmen, um eine drohende Wasserkrise auf dem tibetischen Hochland zu verhindern, die katastrophale Auswirkungen für den gesamten Planeten haben könnte.

Das tibetische Hochland ist der drittgrößte Eisspeicher der Erde nach dem Nord- und Südpol. Es zählt 40.000 Gletscher, und wird von Wissenschaftlern inzwischen als der „Dritte Pol“ der Erde bezeichnet. Diese Gletscher geben ihr Schmelzwasser in die großen Flüsse Asiens (3) ab, und garantieren damit die Wasserversorgung von Hunderten von Millionen Menschen in Süd- und Südostasien, die an diesen Flüssen weiter abwärts wohnen.

Doch die tibetischen Gletscher und das gesamte Ökosystem sind durch die globale Erwärmung auf lange Sicht in ihrer Substanz gefährdet. Chinesische Wissenschaftler räumten ein, dass die Temperaturen auf dem Hochland doppelt so schnell ansteigen als in anderen Teilen der Erde (3). Und obwohl die globale Erwärmung immer stärkeren Druck auf die bereits schon knappen Wasserressourcen Tibets ausübt, reagierte China mit politisch motivierten Maßnahmen. Im Oktober 2008 berichtete der Guardian von chinesischen Plänen, ein ganzes Netz von Staudämmen auf dem tibetischen Hochland zu errichten (4). Mit diesem Projekt, mit dem die Wasserversorgung der stets wasserhungrigen Industriegebiete in Ostchina sichergestellt werden soll, wird der zukünftige Vorrat an sauberem Trinkwasser für annähernd eine Milliarde Menschen, die am Unterlauf der großen Flüsse leben, ernstlich gefährdet werden.

Um Platz für die Staudämme zu schaffen, sowie für Bergwerke, deren Abfälle die Wasserressourcen auf dem Plateau vergiften, beabsichtigt die chinesische Regierung, die Nomaden gänzlich aus dem Grasland zu entfernen, indem sie die über 2 Millionen nomadisierenden Hirten Tibets zwingt, sich fest anzusiedeln.

Mit dieser politisch motivierten Maßnahme (5), die im Grunde genommen die Identität und Kultur der auf dem Hochland lebenden Tibeter angreift, setzt sich China über jegliche Logik und wissenschaftlich erwiesene Fakten hinweg. Sogar chinesische Wissenschaftler wiesen nach, dass die traditionelle Art und Weise, in der die tibetischen Nomaden ihre Weidegründe nutzen, die beste Chance für die Gesunderhaltung des Ökosystems Tibets bietet und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels ausgleichen könnte. Indem die chinesische Regierung die für diese Entwicklung so wesentlichen Wächter über das Hochland von ihren angestammten Weidegründen vertreibt, um für den Bau von Staudämmen Platz zu schaffen, bedroht sie die langfristige Wasserversorgung von Hunderten von Millionen Menschen flussabwärts.

Das Motto an dem diesjährigen Welt-Wasser-Tag lautet „Sauberes Wasser für eine gesunde Welt“. Da China nur mit politischen Antworten auf eine drohende ökologische Katastrophe reagiert , die die Versorgung von Hunderten von Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser betrifft, ist die internationale Gemeinschaft aufgefordert, China dazu zu veranlassen, mit allen Ländern, deren Leben von der zukünftigen ökologischen Gesundheit des Plateaus abhängt, in transnationale Verhandlungen zu treten.

Stephanie Brigden, die Direktorin von Free Tibet sagte:

„Chinas nacktes Eigeninteresse am Umweltschutz steht eindeutig im Widerspruch zu der Weltmeinung, die sich eine größere politische Kooperation wünscht, um unsere kollektiven Interessen zu schützen. Nun, wo Chinas Ruf bei dem Klimagipfel, der vor kurzem stattfand, bereits eine Schramme bekam, wird er noch weiter beschädigt werden, wenn die Regierung darauf besteht, kurzfristigen politischen Interessen den Vorrang vor den größeren kollektiven Umweltbelangen zu geben. Die internationale Gemeinschaft sollte China vielmehr darauf hinweisen, dass es, wenn es auf seinen guten Ruf bedacht ist, in seinem eigenem Interesse liegt, die Vertreibung der tibetischen Nomaden vom Grasland sofort einzustellen und transnationale Verhandlungen über die Zukunft des Hochlandes zu führen“.

Anmerkungen:

(1) Mehr zum Weltwassertag: www.worldwaterday.org/page/2536

(2) Die großen Flüsse Asiens, die in Tibet entspringen, sind: Ganges, Brahmaputra, Indus, Salween, Mekong, Gelber Fluß, Yangtse.

(3) Einer Studie des Meteorologischen Instituts der Autonomen Region Tibet (TAR) von 2007 zufolge erlebte die TAR einen Temperaturanstieg von 0,3 Grad C pro Jahrzehnt (Xinhua, 20. Nov. 2007). Press Trust of India zitierte am 18. August 2009 einen offiziellen chinesischen Bericht, in dem Qin Dahe von der chinesischen Akademie der Wissenschaften sagte, daß die Temperatur in Tibet von 1961 bis 2008 pro Jahrzehnt um durchschnittlich 0,32 Grad C angestiegen sei, viel schneller als anderswo in China, wo die Temperatur einen Anstieg von 0,05 bis 0,08 Grad verzeichnete.

(4) The Guardian: www.guardian.co.uk/world/2008/oct/14/china-tibet

(5) In seinem Menschenrechtsbericht 2007 zu China zitierte das US State Department den Parteisekretär der TAR Zhang Qingli. “Das Programm zur festen Niederlassung der Nomaden wurde von dem TAR Partei-Sekretär Zhang Qingli als eine Maßnahme bezeichnet, um dem Einfluß des Dalai Lama entgegenzuwirken, gleichzeitig diene es der weiteren Entfaltung der bereits begonnenen Entwicklung Westchinas“.

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Der tibetische Umweltexperte Tashi Tsering veröffentlichte auf seiner Website Karten der bereits gebauten, der geplanten und im Bau befindlichen Staudämme in Tibet, nebst deren technischen Details.

Eine Karte der hydroelektrischen Projekte an den Oberläufen von Yangtse (Drichu), Mekong (Zachu) und Salween (Gyalmo Ngulchu) zeigt die grauenhafte Zahl von 81 Staudämmen an diesen einst frei fließenden Flüssen:

tibetanplateau.blogspot.com/2010/02/dams-on-upper-reaches...

 

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

www.igfm-muenchen.de

Der Auftrag der IGFM zielt auf die friedliche Verwirklichung der Menschenrechte, deklariert von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948, dem Tag der Menschenrechte. Seit einigen Jahren leistet die im Jahre 1972 gegründete und seitdem anerkannt gemeinnützige Gesellschaft auch mildtätige Arbeit.

Die IGFM hat Beobachterstatus beim Europarat sowie ECOSOC-(Roster) Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die Arbeitsgruppe München hat Tibet als Schwerpunkt gewählt. Eine umfangreiche Sammlung von Texten zur Menschenrechtslage in Tibet steht auf unserer Website unter der Rubrik "Tibet", wir versenden auch kostenlos aktuelle Meldungen zu Tibet per e-mail. Anmeldung unter .



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