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EU-Zahlen: Verkehrssektor weiter Klimasorgenkind Nummer eins

Berlin. (pts012/28.06.2011/10:40) - Der Verkehrssektor ist weiter Europas Klimasorgenkind Nummer eins. Das geht aus kürzlich veröffentlichten Zahlen der Europäischen Umweltagentur (EEA) hervor. Danach sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs EU-weit seit 1990 um 29 Prozent gestiegen. Alle anderen Sektoren konnten dagegen deutliche Rückgänge verbuchen: Die Industrie kam auf ein Minus von 34 Prozent, bei der Energie-Erzeugung reduzierte sich der Ausstoß von Treibhausgasen um 17 Prozent und die Haushalte konnten immerhin noch Einsparungen von 14 Prozent seit 1990 vorweisen. "Seit Jahren sitzt die Politik den Missstand im Verkehr aus", sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Dienstag in Berlin.

"Die CO2-Minderung im Verkehr ist eine drängende Herausforderung, die politisch in den Fokus rücken muss", sagte Flege. "Dabei ist auch Verkehrsverlagerung ein wichtiges Instrument." Der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer verwies darauf, dass die Eisenbahn viel klimaschonender unterwegs sei als etwa der Lkw. So emittieren Güterzüge in Deutschland pro transportierter Tonne und Kilometer nur ein Viertel so viel CO2 wie Lkw. Noch besser sieht die CO2-Bilanz der Eisenbahn in Österreich aus, wo der Bahnstrom fast vollständig aus erneuerbaren Quellen stammt: "Hier reden wir über den Faktor 15 im Vergleich zwischen Bahn und Lkw", sagte Flege und begrüßte, dass im neuen EU-Weißbuch Verkehr erstmals ein verbindliches Treibhausgas-Minderungsziel von minus 60 Prozent bis 2050 für den gesamten Verkehrssektor festgeschrieben worden sei. "Wenn man sich die bisherigen Emissionen des Verkehrssektors vor Augen führt, ist dieses Ziel mehr als ehrgeizig", sagte Flege. Allerdings verleite der lange Zeitraum dazu, den jetzt schon drückenden Reformstau an die nächste Politikergeneration weiterzugeben. "Dennoch setzt das Weißbuch die richtigen Signale."

In einem Beschluss vom 17. Juni begrüßte der Bundesrat die Ziele des EU-Weißbuchs, meldete jedoch ebenfalls Bedenken an, ob es ausreichend sei, den Löwenanteil der Minderung erst für die Zeit nach 2030 anzupeilen. "Der Bundesrat hat erhebliche Zweifel an dieser Zukunftsrechnung und hält höhere Reduktionen in den nächsten 10 bis 20 Jahren für erforderlich, um das Minderungsziel bis 2050 insgesamt erreichen zu können", heißt es in der aktuellen Stellungnahme.

Flege wies darauf hin, dass der EU-weite Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrssektors in den Jahren 2008 und 2009 erstmals nicht weiter angestiegen sei. Nach Ansicht der Allianz pro Schiene ist es aber zu früh, dies schon als Trendwende zu interpretieren. "Man muss bedenken, dass 2008 und 2009 der Verkehr infolge der Wirtschaftskrise fast überall in Europa stark zurückgegangen ist", sagte Flege. "Auf dem richtigen Weg sind wir erst, wenn sich der Trend sinkender Emissionen in den nächsten Jahren fortsetzt."

Weitere Informationen auf http://www.allianz-pro-schiene.de