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Ausbleibender Kaufanreiz frustriert Branche, neue Konzepte im Aufwind

Bremerhaven (pte025/03.05.2012/13:57) - Die Elektromobilität stagniert in Deutschland, da die Bundesrepublik kaum Anstrengungen unternimmt, um ihr Ziel von einer Mio. Elektroautos für 2020 zu erreichen. In der Elektromobilitäts-Branche macht sich Frust breit sowie auch Überlegungen zu ganzheitlichen Ansätzen der Mobilität, die weit über den bloßen Austausch von Verbrennungsmotoren durch elektrische Pendants hinausgehen. Das zeigt die Trendstudie Elektromobilität 2012 des Consulters Warnstorf-Berdelsmann http://warnstorf-berdelsmann-consulting.de , für die 400 Fachexperten aus Wissenschaft, Entwicklung, Zulieferung, Finanzwelt sowie der Automobilkonzerne befragt wurden.

Warten auf die Prämie

"Nachdem die Regierung einst derart große Erwartungen geweckt hat, warten die meisten Akteure noch immer auf die nötigen Anreize. 51 Prozent der befragten Fachleute sagen, dass die Elektromobilität aktuell stagniert", erklärt Studienautor Jörg Warnstorf im pressetext-Interview. Die Unzufriedenheit der Branche ist hoch: 48 Prozent fordern die rasche Einführung einer Kaufanreizprämie, 29 Prozent mehr Forschungsgelder und 23 Prozent Gesetze, die der Elektromobilität den Weg bahnen sollen.

Im Kreuzfeuer der Kritik steht vor allem die Bundespolitik. In den Kommunen wächst das grundsätzliche Interesse für den Einstieg in den elektrischen Verkehr - etwa in Form von E-Dienstwägen, deren hohe Vorbildwirkung Warnstorf betont. "Kommt die Diskussion auf den Preis, winken alle ab. Elektroautos sind noch immer im Hochpreissegment ab 35.000 Euro angesiedelt - was ohne Förderanreize kaum durchzusetzen ist." Gemeinden in Österreich oder das gesamte Frankreich haben diese Hürden längst überwunden, während deutsche Politiker gerne damit argumentieren, dass Kaufprämien ohne deutsche Modelle nicht vorgesehen sind.

Autobauer stehen auf der Bremse

Völlig ignoriert werden bisherige Finanzierungsideen für die Kaufanreiz-Prämie etwa durch Umlagen. Doch solange der Absatz nicht gesteigert wird, bleiben auch die verbilligenden Skaleneffekte aus. Als Leidtragende dieser Entwicklung bezeichnet der Experte vor allem Zulieferbetriebe aus dem Mittelstand, die oft bereits Eigenmittel investiert haben und nun aufgrund des ausbleibenden Absatzes oft einen Rückzug erwägen. "Erschwerend kommt hinzu, dass der Staat zwar Millionen in Einzelprojekte investiert, die aber nur den großen Akteuren zugute kommen, während Kleinere das Nachsehen haben", sagt Warnstorf.

Doch auch die deutsche Automobilindustrie gerät zunehmend in schlechtes Licht: Immer mehr Brancheninsider haben den Eindruck, dass sie die Entwicklung bremst. "Die deutschen Autobauer ruhen sich derzeit auf ihren Exporterfolgen im Luxussegment aus und sehen keine Eile, sich konsequent mit Elektromobilität zu befassen. Entsprechend werden Ankündigungen für den Start des ersten deutschen Elektroautos ständig nach hinten verschoben - zuerst auf 2011, später auf Anfang und nun auf Herbst 2012."

Neue Sicht auf Mobilität

Insgesamt ist die Branche dieses Jahr nachdenklicher denn je geworden, beobachtet der Consulter. "Viele beschäftigt die Frage, warum die Elektromobilität trotz der Vielzahl augenscheinlicher Vorteile - sie ist leise, abgasarm, leicht, braucht wenig Parkraum und kann mit zusätzlicher Erzeugung erneuerbarer Energien gekoppelt werden - nicht so recht vorankommt. Immer klarer wird die Forderung, einen Schritt zurück zu gehen und grundsätzlich zu überdenken, welche Form von Mobilität wir in Zukunft brauchen."

Eine mögliche Antwort sei die ungünstige Auffassung der Gesellschaft über die Fortbewegung. "Noch immer wird der Individualverkehr als berauschend, kraftvoll, PS-reich, laut und mit 'Benzin im Blut' vermarktet - was meilenweit von Elektromobilität entfernt ist", sagt Warnstorf. Auch die Verkehrs- und Stadtplanung ziele derzeit weit eher auf Verbrennungsmotoren ab. "Ein ganzheitliches Konzept von Elektromobilität zielt nicht mehr allein auf schnelle und möglichst komfortable Verbindung großer Distanzen mit dem Auto ab. Diese Aufgabe kann die Bahn ebenso gut erfüllen."

Quelle:   pressetext.redaktion