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Mittelmeer-Städte werden im Sommer zum Inferno

Zürich (pte/17.05.2010/12:40) - Die Hitzewellen in Europa werden häufiger, länger und ausgeprägter. Das berichten Forscher vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich http://www.iac.ethz.ch in der Zeitschrift "Nature Geoscience". Das Gesundheitsrisiko, das die globale Erwärmung für Europa bedeutet, wurde bisher unterschätzt, so das Ergebnis der vom Nationalen Forschungsschwerpunkts Klima geförderten Studie. Die Berechnungen basieren auf unterschiedlichen Klimamodellen.

Heimtückische nächtliche Hitze

Von einer Hitzewelle spricht man, wenn es mehr als sechs Sommertage lang außergewöhnlich heiß ist. "Wir wollten wissen, mit wie vielen für die Gesundheit gefährliche Hitzetage wir in Zukunft rechnen müssen", erklärt Studienleiter Erich Fischer im pressetext-Interview. Dafür spielen etwa das Überschreiten einer gewissen Tages- und Nachttemperatur oder die hohe Luftfeuchtigkeit eine Rolle. "Nächtliche Hitze ist besonders gefährlich, da man weniger schläft und keine Abkühlung möglich ist. Ähnliches gilt bei hoher Luftfeuchte, die den Menschen weniger gut schwitzen lässt", so der Experte.

Dass Hitzewellen in Europa häufiger werden, kann man heute schon feststellen. Fand eine solche zwischen 1961 und 1990 nur alle drei bis fünf Jahre statt, muss man in den Jahren 2021 bis 2050 mit durchschnittlich einer pro Jahr rechnen, zwischen 2071 und 2100 sogar mit drei bis fünf. Südeuropa wird am meisten davon betroffen sein, so die Prognose Fischers, besonders dort, wo das Meer für hohe Luftfeuchte sorgt. "Für die Gesundheit gefährliche Hitzetage nehmen besonders in den Flusstälern Südeuropas wie etwa der Poebene, im Unterlauf der Donau oder entlang der Mittelmeerküsten zu."

Gesundheitsrisiko für Südeuropa

Genau in diesen Risikogebieten ist die Bevölkerungsdichte sehr hoch, liegen doch Städte wie Athen, Bukarest, Marseille, Mailand, Rom, Neapel oder Sevilla in dieser Zone. "Erstaunlich ist, dass wir dabei noch gar nicht berücksichtigt haben, dass sich Städte einerseits viel stärker aufheizen und weniger abkühlen als das offene Land. Zusätzlich sorgt auch noch die städtische Luftverschmutzung dafür, dass die Gesundheitsrisiken durch Hitzewellen steigen", berichtet der Zürcher Klimaforscher. Gefährlich sind Hitzewellen speziell für Senioren, Kleinkinder, Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Wenn der Anstieg der Hitzetage in Mitteleuropa laut Fischer auch weniger stark sein wird, ist man hierzulande weniger gut auf deren Auswirkungen vorbereitet. "In Ländern wie Griechenland oder Spanien passen die Menschen ihren Tagesablauf bereits viel eher der Hitze an, etwa im Sport oder bei der Arbeit im Freien." Mehr schattige Parks könnten den Wärmeinseleffekt in Städten zumindest kleinräumig etwas reduzieren. "Langfristig am sinnvollsten ist jedoch eindeutig, wenn wir die Emissionen so weit wie nur möglich einschränken", betont Fischer.

Abstract des Originalartikels unter http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/abs/ngeo866.html

Aussender: pressetext.schweiz