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Modellrechnungen zeichnen dramatisches Bild für US-Ostküste

Kiel/Boulder (pte/04.06.2010/15:55) - Ein US-deutsches Forscherteam hat Modellrechnungen über den Verlauf des Öls, das im Golf von Mexiko freigesetzt wird, gemacht. Demnach ist es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich das Öl über den Golfstrom weit in den Atlantik ausbreiten wird. Besonders betroffen davon würde die atlantische Küste Floridas sein. Initiatoren der Studie sind Forscher vom National Center for Atmospheric Research (NCAR) http://www.ncar.ucar.edu in Boulder und vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) http://www.ifm-geomar.de in Kiel. Die Rechnungen wurden am Los Alamos National Laboratory durchgeführt.

"Welche Auswirkungen das Öl dann hat, hängt von der Region ab", meint Claus Böning stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs "Ozeanzirkulation und Klimadynamik" am IFM-Geomar im pressetext-Interview. "Im offenen Atlantik wären die Folgen nicht dramatisch, da sich das Öl sehr stark vermengen würde. Anders hingegen sieht es in der Region der Florida Keys und den Sandstränden entlang der Ostküste aus", so der Experte. "Diese Region wäre am stärksten betroffen", erklärt Böning. Der südliche Teil Floridas ist nicht nur eine beliebte Urlaubsregion, sondern beherbergt auch die einzigen Korallenriffe am US-Festland.

Die Ergebnisse der aktuellen Modellexperimente zeigen, dass der Ölteppich den Atlantik innerhalb weniger Wochen erreichen und sich dann rasch weiter nach Nordosten ausbreiten könnte. "Dass dies geschehen wird, zeichnet sich schon länger ab", meint Böning. "Doch offensichtlich haben die US-Behörden aufgrund des Tourismus in der Region wohl darauf verzichtet, darüber zu berichten." Demnach könnte nun nicht nur die Golfküste Floridas, sondern auch die langen weißen Sandstrände von den Florida Keys bis South Carolina von der Ölkatastrophe betroffen sein.

Karibik als Wiege des Golfstroms

Die Karibik ist die Wiege des Golfstroms. Von dort ergießen sich pro Sekunde etwa 32 Mio. Kubikmeter Wasser durch die Floridastraße in den Atlantik. "Insofern lag nahe, einmal nachzuschauen, ob und wie schnell ein Stoff, aus dem Golf von Mexiko in den Atlantik transportiert wird", erklärt Martin Visbeck, Leiter der Physikalischen Ozeanographie am IFM-GEOMAR.

Aktuelle Modellrechnungen mit einem hochauflösenden Ozeanmodell der Meeresforscher zeigen, dass sich der Ölteppich sehr rasch aus dem Golf von Mexiko heraus in den atlantischen Golfstrom ausbreiten könnte. "Die Meeresenge wirkt wie ein Auslassventil", erklärt Böning. Überraschend sei das nicht. "Wir sind davon ausgegangen, dass es zweieinhalb bis drei Monate nach Beginn der Einleitung des Öls im Golf zu dieser Bewegung Richtung Atlantik kommt, schließlich liegt die Geschwindigkeit der Strömung bei bis zu 150 Kilometer am Tag.

Schon länger bekannt

Für europäische Strände gibt Visbeck unter den derzeitigen Umständen Entwarnung. "Durch die starke Verwirbelung des Golfstroms dürfte sich das Öl anschließend weiträumig im Nordatlantik verteilen und die Konzentrationen damit stark absinken", erklärt Visbeck. "Zudem wird in den Modellstudien der biologische Abbau, der die Dauer der Ölbelastung deutlich abschwächt, nicht berücksichtigt." Die Experten schließen allerdings nicht aus, dass bei ungeminderter Öl-Ausströmung bis August, die momentanen Abschätzungen revidiert werden müssen.

Links: http://www2.ucar.edu/news/ocean-currents-likely-to-carry-oil-spill-to-atlantic-coast (Ende)

Aussender: pressetext.austria