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Pelikan, Rotreiher und Seeschwalben geht es an den Kragen

Wien (pte/06.05.2010/13:55) - Der Ölteppich, der nach dem Sinken der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko vor der US-Küste treibt und ständig größer wird, bedroht fünf international bedeutende Vogelschutzgebiete. Darauf macht die Organisation Birdlife http://www.birdlife.at aufmerksam. "Die bisher größte Katastrophe für den Vogelschutz steht bevor, wenn das Öl die Küste und das Mississippi-Delta erreicht", so der Biologe Garbor Wichmann, stv. Geschäftsführer von Birdlife, im pressetext-Interview.

Artenreiches Gebiet

Direkt betroffen von einer Ölverschmutzung der Küsten sind die Meeresvögel, wie etwa Möwen, Seeschwalben, Rotreiher und der braune Pelikan. "Öl verklebt Federn und macht sie schwerer, wodurch das Fliegen unmöglich wird, zudem lässt es erblinden. Das ist für Vögel ein Todesurteil", so der Experte. Indirekt gehe es den Bodenbrütern an den Kragen, die keine Nester mehr errichten können, sowie den Baumbrütern, die Futterquellen wie Algen, Fische oder Insekten verlieren.

Denkbar zum schlechtesten Zeitpunkt kommt die Katastrophe für die Singvögel, die erst jetzt von ihren Winterquartieren nach Nordamerika zurückkehren. "Die US-Südküste ist ein wichtiger Rastplatz für Langstreckenzieher. Vögel, die den Golf überquert haben, kommen teilweise so erschöpft an, dass sie keinen alternativen Rastplatz suchen können", erklärt Wichmann. Ein Aussterben ganzer Schwärme sei zwar nicht zu erwarten, die Schwächsten würde es jedoch treffen.

Vögel putzen hilft nichts

Das Reinigen ölverschmutzer Vögel ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Erstens kommt diese Hilfe meist zu spät, da Vögel schon in Stunden am Öl verenden können. Der Aufwand ist enorm, da man auf Chemikalien verzichten und jede einzelne Feder freischrubben muss, was bei Großvögeln Stunden dauert. Schließlich stellt sich auch die Frage, wie rein das Tier dadurch wird", so Wichmann. Die Säuberung zerstört Federn, weshalb man die Vögel oft in Gefangenschaft aufziehen müsse.

Im Einklang zu anderen Umweltexperten fordern auch die Vogelschützer alle Anstrengungen, um außer der Abdichtung des Bohrlochs auch den Kontakt des Ölteppichs mit der Küste zu verhindern. "Bei den flachen Lagunen und Sümpfen ist technisch keine Reinigung möglich, wodurch Lebensräume für Generationen verloren gehen", so Birdlife-Auslandsexperte Michael Dvorak gegenüber pressetext. Barrieren seien ab einer bestimmten Größe des Ölteppichs kaum mehr wirksam, und auch das Abbrennen von Öl an der Küste lasse Giftstoffe zurück.

Katastrophe in Europa ausständig

"Es ist bedauerlich, dass Katastrophen dieser Größenordnung passieren müssen, damit Ölgewinnung in ökologisch sensiblen Küstengebieten in Frage gestellt wird", betont Mike Daulton von der US-Vogelschutzorganisation Audubon http://www.audubon.org. In Europa gibt es laut Dvorak zwar bestimmte Regulationen für Ölbohrungen aufgrund des Naturschutzes, jedoch auch sehr wirksame Ausnahmeregelungen. "Bei den Nordseewatten etwa ist eine Ölkatastrophe schon geradezu überfällig - gehören doch Hamburg und Rotterdam zu den Haupthäfen für Tankerschiffe", so der Experte. (Ende)

Aussender: pressetext.austria