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Geografische Daten als Instrument nachhaltiger Entwicklungspolitik

Bern (pte/02.09.2009/06:05) - Wie Armut in ihren vielen Ausprägungen dargestellt werden kann, zeigen Forscher des Nationalen Forschungsschwerpunkts "Nord-Süd" der Universität Bern http://www.north-south.unibe.ch. Es gelang erstmals, 70 Facetten der Armutsverteilung geografisch hoch aufgelöst für das Land Laos in einem Atlas http://www.laoatlas.net zusammenzufassen. Ein Blick auf die Karten verdeutlicht, wie vielseitig Armut im selben Land sein kann. "Die Schulbildung des Familienoberhauptes und die Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen sind wichtige Kriterien. Vor allem zeigt sich Armut jedoch in der Lebensweise. Es sagt sehr viel aus, ob jemand sein Haus mit Dachstroh, Holz, Bambus, Wellblech oder Ziegeln deckt", berichtet Forschungsleiter Peter Messerli im pressetext-Interview. Weitere Facetten sind etwa zum Beispiel sanitäre Installationen, die Form des Kochens, der verfügbare Lebensraum pro Person sowie die Zusammensetzung der Familie. Die Datenbasis für das Projekt stammt von einer Volkszählung aus dem Jahr 2005.

Laos gehört zu den zehn ärmsten Ländern Asiens, ist jedoch von den aufstrebenden "Tigerstaaten" Thailand, Vietnam und China umgeben. "Aufgrund des unersättlichen Hungers der Nachbarstaaten auf Land, Wasserkraft, Bodenschätze und Arbeitskräfte gerät das Land ebenfalls in den Sog der raschen Entwicklung", so Messerli. Die derzeitigen Wachstumsraten von sieben bis zehn Prozent sorgen für eine Verdoppelung des Gesamteinkommens innerhalb von zehn bis 15 Jahren. "Eine derart hohe Geschwindigkeit kann man sich in Europa gar nicht vorstellen", so der Berner Südostasien-Experte. Gleichzeitig verstärkt die Entwicklung jedoch die Polarisierung des Landes, da städtische Eliten profitieren und die Armut auf dem Land größer wird. "Jagd- und Sammlertätigkeit sind nach wie vor eine wichtige Einkommensquelle für große Teile der Bevölkerung, weshalb der aktuelle Mainstream zu moderner, intensiver Landwirtschaft wie etwa Monokulturen für chinesischen Gummi neue Armutsfallen bringt und die Nahrungsgrundlage vieler gefährden kann. Jedes zweite Kind im Land ist zu klein für sein Alter, was auch die intellektuelle Entwicklung des Landes gefährdet."

"Rasche Entwicklung geht oft über die Köpfe der Menschen hinweg", so Messerli. Nationale Vertreter würden bei internationalen Treffen und Entscheidungen wie etwa bei Konventionen zu Handel und Biodiversität meist generalisierte Entscheidungen treffen, die vor Ort jedoch nicht zu Vorteilen, sondern zum Fiasko führten. Ebenso problematisch seien auch populäre Ansätze wie die stark reduzierende Definition von extremer Armut als das Auskommen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag, die nicht selten an der Realität der Menschen völlig vorbei gehen. "Heterogenität und differenzierte Sichtweisen sollten mehr gefragt sein. Was Armut tatsächlich bedeutet, können meist nur die Betroffenen selbst sagen, wobei bei völliger Beliebigkeit der Kriterien jegliches Instrument zur Armutsbekämpfung verloren geht." Der Atlas, der sich auf die Darstellung von 70 verschiedenen Facetten von Armut konzentriert, stelle viele Lebensweisen dar und gehe somit einen Mittelweg.

Die neu erstellten Karten sollen einerseits die Entscheidungen der Schweizer Entwicklungspolitik verbessern, die Laos unter ihre Schwerpunktländer gereiht hat. Andererseits haben sie bereits die Politik des Landes selbst geprägt. "In bisherigen Modellen erscheinen die ländlichen Gebiete von Laos als größte Problemzone der Armut auf, da in vielen kleinen Gemeinden ein hoher Prozentsatz der Bewohner als arm gilt. In absoluten Zahlen wohnen jedoch in den Städten weit mehr Arme, wenngleich sie dort einen geringeren Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen. Die Erkenntnis, dass mehr als die Hälfte der Armen in Durchmischung mit der reichen Bevölkerung leben, hat im kommunistisch geprägten Laos für gehörige Diskussionen gesorgt und dazu geführt, dass die verstärkte Suche nach Armen in städtischen Gebieten in den nächsten Fünfjahresplan aufgenommen wird", berichtet Messerli. Erstaunlich sei, wie viel man mit Wissen bewirken könne. (Ende)

http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=090902005
Aussender: pressetext.schweiz