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BNetzA-Chef Homann: Stockender Netzausbau ist „Besorgnis erregende Nachricht für die Energiewende“

Der neue Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, zeigt sich besorgt über den Zustand des Stromnetzes in Deutschland. Wichtige Netzausbauprojekte seien im Verzug, sagte der Präsident der Bonner Behörde bei der Vorstellung des Jahresberichts 2011. „Für die Energiewende ist dies eine Besorgnis erregende Nachricht. Alle Beteiligten sollten deshalb die Anstrengungen erhöhen.“ Von den 1.834 Kilometern an Leitungen, die der Gesetzgeber für vordringlich erklärt habe, seien 214 Kilometer realisiert, betonte Homann.

 

Den Ausführungen des neuen Behördenchefs zu den Verzögerungen beim Netzausbau ist der Titel von Ausgabe 19/2012 von EUWID Neue Energien gewidmet. Insgesamt umfasst die am 9. Mai erschienene Publikation 96 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 32 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier: www.euwid-energie.de/printausgabe/aktuelle-ausgabe.html)

ÜBERGREIFENDE THEMEN

Wenig Neues für die öffentliche Debatte über die Energiewende brachte der „Energiegipfel“, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der vergangenen Woche nach Berlin eingeladen hatte. Neben den Verzögerungen bei der Anbindung von Offshore-Windparks ging es bei dem Treffen auch um die von Teilen der Energiewirtschaft befürchtete Versorgungslücke von 10 bis 15 GW, die durch eine verringerte Wirtschaftlichkeit von fossil betriebenen Bestandskraftwerken und Neubauten verursacht wird. Merkel kündigte an, rasch klare Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine entsprechende Lücke zu verhindern, wobei Gaskraftwerken aus Klimaschutzaspekten Priorität einzuräumen sei.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Energiewende und hat dabei den Netzausbau im Blick. Noch im ersten Halbjahr sollen mehrere Gesetzesinitiativen für den Investitionsrahmen beim Netzausbau vorgelegt werden, wie aus einem entsprechenden Eckpunktepapier des Ministeriums hervorgeht. Dabei sieht das Ministerium auch Handlungsbedarf auf Verteilnetzebene.

Derweil prognostiziert das Beratungshaus McKinsey einen Anstieg der jährlichen Kosten der Energiewende bis 2020. Dabei summieren die Berater die Differenz zwischen den Vergütungssätzen und Großhandelspreisen für Strom und addieren noch die steigenden Netzentgelte dazu. Die so errechnete Kostengröße werde von 13,5 Mrd. € im Jahr 2011 bis 2020 um 60 Prozent auf 21,5 Mrd. € steigen. Auf der Ebene der Verbraucherpreise wird laut „Handelsblatt“ ein Anstieg von 25,9 ct/kWh auf 29,0 ct/kWh prognostiziert. Dieser Anstieg beläuft sich allerdings „nur“ auf 12 Prozent, verteilt auf einen Zeitraum von knapp zehn Jahren. Gemessen an Preissteigerungen im Zeitraum 2001 bis 2010 von real mehr als 40 Prozent kann ein solcher Anstieg schwerlich als Beleg für die häufig kolportierte „Kostenexplosion“ durch die Energiewende herhalten.

Weitere übergreifend relevante Berichte in EUWID Neue Energien 19/2012 befassen sich mit der IEA-Kritik am Tempo der Entwicklung von Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien, der weltweit größten Eisheizung und der Förderung Erneuerbarer in Japan, wo Anfang des Monats vorerst das letzte AKW vom Netz gegangen ist. Nachrichten zu E.ON, EnBW und den Stadtwerken Augsburg ergänzen die Berichterstattung im übergreifenden Bereich.

BIOENERGIE

Die EU-Kommissare haben bei ihrer Debatte über Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe Anfang Mai keine Einigung erzielt. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Berücksichtigung der Wirkung indirekter Landnutzungsänderungen (ILUC). Nach Einschätzung des Bundesverbandes Bioethanol (BDBe) zeigt die Debatte, „dass die bisher behaupteten Thesen und theoretischen Modellrechnungen keine Basis für eine Änderung der EU-Nachhaltigkeitsregelung sind“. Umweltschützer werten das Treffen dagegen als verpasste Chance zur Lösung des ILUC-Problems.

Der Energiekonzern Vattenfall überraschte derweil mit der Beendigung der Zusammenarbeit mit der kanadischen Firma Buchanan Renewables Fuels, über die Vattenfall Biomasse aus Liberia bezogen hat. Das Projekt habe die Erwartungen an Menge und Preis nicht erfüllt, begründete Vattenfall den Ausstieg. „Die Kosten waren zu hoch“, sagte ein Sprecher. Positive Meldungen gibt es von Seiten der Biogas Nord AG. Das Unternehmen meldet für 2011 eine Rekordleistung von 78,9 Mio. € und eine Steigerung des operativen Ergebnisses (EBIT) auf 2,9 Mio. €. Auch für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich das Biogas-Unternehmen optimistisch. Die Vertriebs-Pipeline für 2012 sei bereits gut gefüllt, hieß es.

Die Bioenergieberichterstattung befasst sich in Ausgabe 19/2012 mit aktuellen Entwicklungen bei Cutec, ZBT, Biogas Zürich, Semardel und Mondi. Die Marktberichterstattung umfasst den EUWID-Marktbericht für Altholz, Berichte zu den Sägerestholzmärkten in Österreich und der Schweiz, Großhandelspreise für Getreide/Ölsaaten, Verkaufspreise für Biodiesel und die monatliche BAFA-Statistik zum Inlandsverbrauch an Biokraftstoffen.

SOLARENERGIE

Die Solarbranche blickt mit Hoffen und Bangen auf die am Freitag anstehende Bundesratsdebatte zur Solarförderung. Thüringen hat angekündigt, am 11. Mai eigene Vorschläge vorzulegen. Es gehe um eine Reform, die die Energiewende fördere und nicht die Solarbranche bedrohe, sagte Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) der Nachrichtenagentur dpa. Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen seien von der Solarindustrie nicht zu verkraften. Wie nach Redaktionsschluss von EUWID Neue Energien 19/2012 bekannt wurde, haben sich am Montag die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) getroffen, um im Vorfeld der Sitzung der Länderkammer Korrekturen bei dem Gesetz zu erwirken. Für den Umweltminister ist die Konstellation nicht ohne Brisanz. Die Anrufung des Vermittlungsausschusses zur Korrektur seines Gesetzesentwurfs könnte zwei Tage vor der Landtagswahl in NRW als persönliche Schlappe gewertet werden.

Derweil hat auch in der Solarindustrie die Berichtssaison zum ersten Quartal begonnen. Die Zahlen, die der Solarzulieferer centrotherm photovoltaics vorlegte, weisen nicht auf eine Entspannung der Situation hin. So sanken die Erlöse in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres von 189,3 Mio. € auf 82,5 Mio. €. Das operative Ergebnis (EBIT) sank auf -42,9 Mio. € (Vorjahreszeitraum: 17,7 Mio. €). „In den Zahlen spiegeln sich die Marktturbulenzen wider, mit denen auch wir zu kämpfen haben“, sagte centrotherm-Finanzvorstand Thomas Riegler. Mit First Solar meldete auch einer der ganz großen Player am Solarmarkt einen Quartalsverlust, den erst zweiten in der Unternehmensgeschichte. Das Minus habe bei 449,4 Mio. US-Dollar gelegen, teilte das Unternehmen vergangene Woche an seinem Firmensitz in Tempe im US-Bundesstaat Arizona mit. Auch der Umsatz sank deutlich.

Die Unternehmensberichterstattung im Solarbereich befasst sich in Ausgabe 19/2012 von EUWID Neue Energien auch mit Wacker Chemie, Q-Cells und Canadian Solar. Im Bereich der solarthermischen Stromerzeugung informiert die Ausgabe über eine aktuelle Marktstudie von Pike Research und das Lieferabkommen zwischen toughTrough und AGC Glass Europe.

WINDENERGIE

Der niedersächsische Agrarminister Gert Lindemann (CDU) hat erneut eine klare Absage an Windräder in Wäldern erteilt. „Bei vielen, die als Befürworter der Windenergie im Wald auftreten, ist mir das Eurozeichen im Auge zu deutlich“, sagte er in Hannover bei der Jahrestagung der niedersächsischen Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Lindemann betonte, das Land könne seine energiepolitischen Ziele anders erreichen als durch den Bau von Windrädern im Wald.

Auf der Nordic-Werft in Warnemünde hat am Mittwoch letzter Woche der Bau der Umspannplattform SylWin Alpha begonnen. Es ist die dritte und gleichzeitig größte Plattform, die Nordic für den Konzern Siemens herstellt. Sie wird fast 80 Meter hoch, 56 Meter breit und 82,5 Meter lang. Sie ist für den Windpark SylWin in der Nordsee, etwa 70 Kilometer westlich von Sylt, bestimmt. Der Auftragswert für die Nordic-Werft liegt früheren Angaben zufolge im dreistelligen Mio.-€-Bereich. Siemens selbst arbeitet derweil an der Wettbewerbsfähigkeit seiner Windenergie-Sparte. „Wir müssen nicht nur führend bei der Qualität, sondern auch bei den Kosten sein“, sagte Sparten-Chef Felix Ferlemann der „Wirtschaftswoche“.

Wie bei den Kollegen aus der Solarbranche dominieren auch bei den Windunternehmen im ersten Quartal die roten Zahlen. Der Windparkprojektierer PNE Wind hat eigenen Angaben zufolge in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 ein negatives Betriebsergebnis (EBIT) in Höhe von -1,1 Mio. € ausgewiesen (Vorjahr: 2,5 Mio. €). Als Grund hierfür führt das Unternehmen erhebliche Vorleistungen in die Projektentwicklung im In- und Ausland an. Dramatischer hören sich die Zahlen beim dänischen Marktführer unter den Windkraftanlagenproduzenten Vestas an. Das EBIT verringerte sich von -69 Mio. € im Vorjahreszeitraum auf jetzt -245 Mio. € und entspricht damit dem Vierfachen des Gesamtjahres 2011. Der Nettoverlust erhöhte sich von -85 Mio. € im ersten Quartal 2011 auf jetzt -162 Mio. €. Die Verbesserung der Profitabilität des Konzerns wird auch die Aufgabe des designierten CFO Dag Gunnar Andresen sein. Der ehemalige Vattenfall-Manager soll im August das Finanzressort im Vorstand des Konzerns übernehmen.

Weitere Nachrichten zur Windbranche befassen sich mit Enercon, Mark-E, ABO Wind, Electrawinds und der Deutschen Windtechnik AG. Ferner finden sich die neuesten Daten zur Windenergieeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen und die Zahlen zu den monatlichen Windkraft-Neuinstallationen in der aktuellen Ausgabe 19/2012 von EUWID Neue Energien.

WASSERKRAFT

Deutschland, Österreich und die Schweiz wollen bei Pumpspeicherkraftwerken verstärkt kooperieren. Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) Anfang Mai mitteilte, habe man mit den Wirtschaftministerien in Österreich und der Schweiz eine entsprechende gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Gemeinsames Ziel sei es, die Nutzung der Technologie weiter auszubauen und neue Potenziale zu erschließen. Vor allem die Alpenländer wollen sich dabei als die „Batterien Europas“ positionieren und ihre Nachbarländer bei einer sicheren Energieversorgung unterstützen. Deutschland könnte aufgrund seiner Vorreiterrolle bei den erneuerbaren Energien davon ebenfalls deutlich profitieren, hieß es.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Kontakt: Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH (EUWID)