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(aid) - Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stand neben der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise die Lage der Welternährung als ein weiteres zentrales Thema auf der Tagesordnung. "Die Weltagrarkrise, die im Jahr 2008 mit ihren hohen Preisen die Verbraucher überraschte, hat dazu geführt, dass nun auch langfristig Preissteigerungen erwartet werden", so Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung in Bonn.

Von Braun leitete bei der Konferenz unter anderem eine Sitzung zu den Themen Landwirtschaft und Investitionen in Entwicklungsländern. Staaten mit knappen Wasser- und Nahrungsmittel-Ressourcen vertrauen nach von Braun schon heute nicht mehr auf den Welthandel und kauften in Entwicklungsländern Land (insbesondere in Afrika), um ihre Versorgung abzusichern. Das treibe die Landpreise dort nach oben. Deshalb trug die Diskussionsrunde den Titel: "Wird der Boden bald teurer als Öl?"

Von Braun hatte hierzu einen Verhaltenskodex vorgeschlagen. Es dürfe kein Land über die Köpfe der Kleinbauern hinweg verkauft werden, die das Land nutzen, aber keine Eigentumstitel haben. Aus akuten Hungerländern sollten Investoren keine Agrarprodukte exportieren dürfen. Die Richtschnur sei nachhaltige Landbewirtschaftung, um die Ausbeutung der Böden zu verhindern. Außerdem müsse die Bevölkerung an den Chancen beteiligt werden. Afrika oder Lateinamerika etwa brauchten Kapital in der Landwirtschaft, um den Herausforderungen einer wachsenden Weltbevölkerung begegnen zu können.

"Langfristig werden die Lebensmittelpreise weiter steigen, weil Land und Wasser knapper werden, denn die Weltbevölkerung wird von derzeit 6,7 Milliarden bis 2050 auf etwa neun Milliarden anwachsen. Zweitens nimmt in vielen Regionen in der Welt das Pro-Kopf-Einkommen zu - etwa in China und Indien. Drittens wird die Produktion unter dem Klimawandel leiden. Aus all dem folgen instabilere und höhere Preise", so von Braun, der bis Ende vergangenen Jahres das International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington D.C. leitete.

Kein Staat werde sich den langfristigen Trends auf den Weltagrarmärkten entziehen können - auch nicht Deutschland. Getreide sei das Brot der armen Leute, aber auch Futtermittel für die tierischen Produkte in den Industriestaaten. Deshalb werde es langfristig auch zu steigenden Fleischpreisen kommen.
aid, Friederike Eversheim