klimawandel

Globaler Reichtum wandert nach Süd und Ost

Wohlstands-Umverteilung bedeutet Reformdruck für Entwicklungsländer

Paris/Hohenheim (pte019/22.11.2011/13:05) - Während sich die USA und Europa mit Schuldenkrisen plagen, hat die Stunde der Schwellen- und Entwicklungsländer endgültig geschlagen. Der globale Wohlstand verlagert sich rasant von West nach Ost und von Nord nach Süd, zeigt ein soeben veröffentlichter Bericht der OECD http://oecd.org . Um Unruhen zu vermeiden, sollten die aufstrebenden Staaten mit dem neuen Reichtum allerdings unbedingt den sozialen Zusammenhalt stärken, so der dringende Appell der Experten.

Ende der Durststrecke

83 Entwicklungs- und Schwellenländer sind seit 2000 wirtschaftlich zumindest doppelt so schnell gewachsen wie die reichen Industrieländer, während dies in den 90er Jahren bloß bei zwölf Ländern der Fall gewesen war. "Die über 20-jährige Durststrecke verpasster Chancen und enttäuschender Leistung ist somit vorbei", resümieren die Berichtsautoren. Wesentliche Triebkraft ist die boomende Mittelschicht. Zwei Mrd. Menschen - die Hälfte davon in aufstrebenden Ländern - leben heute von zehn bis 100 Dollar am Tag, 2030 werden es vier Mrd. sein.

Hans-Peter Burghof, Lehrstuhlinhaber für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung an der Uni Hohenheim http://bank.uni-hohenheim.de , sieht zwei Umstände als Startschuss für die Aufholjagd. "Erstens haben die Schwellenländer Zugang zum internationalen Kapitalmarkt erhalten, zweitens gibt es nun Frieden und relative Stabilität. Es scheint nun, als ob der frühere Ost-West-Konflikt ein deutliches Entwicklungshindernis war", so der Kommentar des Finanzexperten im pressetext-Interview.

Sozialer Kitt dringend nötig

Die neue Geographie des Wachstums bedeutet jedoch auch große Herausforderungen für die Boomstaaten, betont die OECD. Denn die ökonomisch starke, politisch aber meist unterrepräsentierte Mittelschicht fordert mehr Beteiligung, Chancen und Lebensstandards, wie aktuell die weltweite Häufung von Unruhen zeigt. Wie Umfragen in Tunesien, Indien und Thailand belegen, machen Entwicklung und Wachstum nicht automatisch zufriedener: Die Lebenszufriedenheit sank hier seit 2006 deutlich, während das BIP pro Kopf ständig stieg.

Die ausländischen Direktinvestitionen sowie das höhere Steuer- und Handelsaufkommen bescheren vielen Entwicklungs- und Schwellenländern zusätzliche Ressourcen. Die OECD-Autoren raten, diese in Bildung, Beschäftigung, soziale Sicherheit und Chancengleichheit zu investieren und so den sozialen Zusammenhalt zu stärken. "Denn die größten Probleme treten auf, wenn es an Teilhabe und qualifizierten Arbeitsplätzen fehlt oder die soziale Mobilität gering ist. Auch die schlechte Behandlung von Migranten, Landraub und die Benachteiligung der Frau sind eine Gefahr."

Link zum OECD-Bericht: http://www.oecd.org/site/0,3407,en_21571361_49041236_1_1_1_1_1,00.html

Quelle: pressetext.redaktion