25.09.2007: Russen laesst globale Erwaermung kalt

BBC-Studie mit 22.000 Teilnehmern in 21 Laendern: Rasches Handeln gefragt

London (pte/25.09.2007/13:55) - Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Globescan http://www.globescan.com hat BBC World Service eine Umfrage zum Thema "Global Warming" bei mehr als 22.000 Menschen in 21 Laendern durchgefuehrt. Gefragt wurden die Teilnehmer unter anderem, ob sie schon je von der globalen Erwaermung gehoert haben und inwieweit das menschliche Handeln fuer die Klimaveraenderung relevant sei. Erstaunlich war vor allem das Ergebnis von Russland: Mehr als die Haelfte der Befragten gab an, dass sie bisher nicht sehr viel darueber gehoert hatten. In den russischen Medien spielt das Thema offensichtlich keine besonders grosse Rolle, schreibt BBC-Online. Die in Russland tatsächlich bewegenden Themen sind Sozialpolitik, Sicherheit der Bürger sowie das Verhältnis zum Westen. Zudem sei Russland ein sehr sehr kaltes Land, so BBC. "Ich weiß, dass die globale Erwärmung ein Problem ist, aber ich würde es begrüßen, wenn es hier etwas wärmer sein würde, dann könnte ich auch Tomaten anbauen", so ein Meteorologe aus Archangelsk, einer Stadt in Nord-Russland. Offensichtlich ist die Meinung des Meteorologen keineswegs die einer Einzelperson, denn über die Auswirkungen der Erwärmung scheint es sehr unterschiedliche Ansichten zu geben. Eine davon ist, dass die Erwärmung in Zukunft große Teile Russlands in ein landwirtschaftlich nutzbares Land verwandelt. Tatsächlich scheint die Meinung des Meteorologen jene des offiziellen Russlands widerzuspiegeln. "Wenn das Klima wärmer wird, wird ein größerer Teil Russlands frei für Landwirtschaft sein", meint
Rinat Gizatullin, ein Sprecher des Ministeriums für natürliche Ressourcen. "Wir verfallen also nicht in Panik, weil die globale Erwärmung für uns keine solche Katastrophe ist wie für andere Länder."

Doch nicht alle in Russland teilen die Meinung der Regierung, berichtet Alexey Kokorin vom WWF-Russland. "Jene, die sich der globalen Erwärmung bewusst sind, leben in den am schlimmsten betroffenen Regionen wie etwa in Sibirien, wo der Permafrostboden taut oder im Kaukasus mit den schrecklichen Hitzeperioden." Das schlimmste sei nicht, dass die Menschen nichts über die Erwärmung und ihre Folgen wissen, sondern, dass sie die wildesten Ideen von den Folgen haben. "Daher sehen sie keinen Grund irgendetwas zu verändern." Die Regierung hat angekündigt, dass sie Menschen erziehen will und somit versucht, sie zum Umdenken zu bewegen. Bisher wurden zwar viele Schritte gesetzt, Geschäftsleute zu informieren, nicht aber das normale Volk, kritisieren Experten. Russland hat das Kyoto-Protokoll unterzeichnet und hofft auf ein Milliardengeschäft seitens des Emissionshandels. Das damit eingenommene Geld soll für den Ausbau der Infrastruktur und zur Erhöhung der Energieeffizienz verwendet werden. Kritiker sehen in dem Vorstoß allerdings das große Problem, dass wieder nur auf die Wirtschaft und nicht auf die Ökologie geachtet wird.

Generell spricht das Umfrageergebnis der Studie allerdings eine deutlich andere Sprache: Fast 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass menschliche Aktivitäten wie Industrie und Transport einen wesentlichen Beitrag zur Klimaänderung leisten. Auch in Ländern wie Nigeria, Kenia, den Philippinen, Brasilien und Mexiko kommen die Befragten zum gleichen Schluss. Neun von zehn sind auch der Meinung, dass Aktionen gegen die Klimaänderung gesetzt werden müssen. Der Großteil sieht die Notwendigkeit, diese Schritte sehr rasch zu setzen. (Ende)

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Redakteur: Wolfgang Weitlaner
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