Internationaler Aktionstag gegen Uranabbau

Ranua Rescue Action Day mit Aktionen in mehreren deutschen Staedten

Magdeburg/Berlin - Zum morgigen internationalen Aktionstag gegen Uranabbau rufen AktivistInnen aus dem 'Nuclear Heritage Network', einem internationalen Netzwerk von Anti-Atom-AktivistInnen, auf. Nach einem Hilferuf von Betroffenen aus der finnischen Gemeinde Ranua hatten Aktive aus der wachsenden Anti-Atom-Bewegung Finnlands beschlossen Solidaritaets-Aktionen zu initiieren. Auch in Deutschland finden in einigen Staedten Veranstaltungen am Donnerstag statt.

"Uranabbau findet meist auf dem Boden indigener Menschen statt - in Kanada sind diverse 'First Nations' betroffen, in Australien die 'Aborigines', in Finnland die 'Saami'. Die dort lebenden Leute werden nicht gefragt, ob sie mit dem umweltzerstoerenden und gefaehrlichen Abbau-Vorhaben der Atomindustrie einverstanden sind. Ihre traditionellen Lebensraeume werden aufgerissen, vergiftet und voellig ruiniert", erklaert Falk Beyer. "Fuer den Uranabbau werden grosse Mengen Chemikalien und Energie eingesetzt; die Atomindustrie setzt riesige Mengen klimaschaedliches CO2 frei. Ganz klar: Atomkraft belastet das Klima."

Hintergrund des Aktionstages sind die Plaene des Atomkonzerns Areva, im finnischen Lappland Uran abbauen zu wollen. Dabei spekuliert der Konzern auf geringen Widerstand, da der Norden Finnlands nicht sehr eng besiedelt ist. Wie in den meisten Uranabbaugebieten der Welt, sind auch hier Indigene betroffen: die Saami sind die letzten Indigenen Europas. Doch der Widerstand gegen den Uranabbau in Lappland ist beeindruckend. Es scheint, dass die wachsende finnische Anti-Atom-Bewegung durch Arevas Uranabbau-Plaene einen enormen Zuwachs erhaelt. BewohnerInnen der Gemeinde Ranua baten beim internationalen 'Nuclear Climate Camp' im Juli in Lappland um Unterstuetzung fuer ihren Widerstand. Daher riefen finnische Anti-Atom-AktivistInnen den 13. August 2009 als internationalen "Ranua Rescue Aktionstag" aus.

Am Donnerstag wird es in verschiedenen europaeischen Laendern Aktionen geben, um auf die zerstoererischen Plaene der Atomindustrie aufmerksam zu machen und Druck gegen den Uranabbau in Ranua und anderswo aufzubauen. Auch in Deutschland wird es in mehreren Staedten Protestveranstaltungen geben. Darunter sind auch Magdeburg und Berlin.

Jeder weitere Tag, an dem Atomkraftwerke in Deutschland betrieben werden, verursacht ungeheure Mengen Uranerz, die abgebaut werden muessen. Im konventionellen Strommix ist in der Regel auch Atomstrom enthalten. Jede und jeder, die weiterhin konventionellen Strom beziehen, tragen daher Mitverantwortung fuer die Vernichtung einmaliger Oekosysteme und an der Ausbeutung und Unterdrueckung indigener Menschen in den Uranabbaugebieten. Der Aktionstag soll ueber diesen Zusammenhang aufklaeren und fuer verantwortliches Konsumverhalten sensibilisieren.

Der Uranabbau erfolgt im Tagebau. Dafuer sollen in Lappland riesige unberuehrte Feuchtgebiete und boreale Waelder gerodet, trockengelegt und ausgebaggert werden. Grossflaechige Tagebaue werden die empfindlichen Oekosysteme wie riesige Narben durchziehen. Zur Erschliessung muss die Zahl von Verkehrswegen vervielfacht werden, wodurch die Lebensraeume massiv zerschnitten werden. Die in grossem Umfang eingesetzten giftigen Chemikalien werden nicht nur lokal die Umwelt verseuchen, sondern erfahrungsgemaess ueber Grundwasser und Flusssysteme auch weitere Bereiche darueber hinaus belasten. Gewaltige radioaktive Abraumhalden werden dauerhaft Menschen und Umwelt gefaehrden.

"Das abgebaute Uranerz kann nur zu einem geringen Teil verwertet werden. Von 300.000 Tonnen gefoerdertem Erz gehen nur 33 Tonnen in die Brennelemente-Fertigung. Der Rest bleibt als Atommuell ueberwiegend direkt in den Uranabbau-Gebieten in Form von Abraumhalden zurueck. Einmal ans Tageslicht gebracht, stellt der Untergrund-Boden eine strahlende Gefahr dar", sagt Beyer. "Trotz der verhaeltnismaessig geringeren Zahl von Atomkraftwerken geht der Atomindustrie ihr Brennstoff aus. Die alten Traeumereien vom ewigen Brennstoffkreislauf in Schnellen Bruetern und anderen Anlagen der sogenannten 'Vierten Generation' haben sich laengst als Fehlschlag herausgestellt. Nirgendwo auf der Welt funktionierten diese Reaktoren. Wollte die Atomindustrie ihren Reaktorenpark auf eine energetisch relevante Groesse erweitern, haette sie bald keinen Brennstoff mehr. Neue Uranabbaue wie im finnischen Ranua sollen diesen Trend verzoegern, aber das Ende ist absehbar: Uran ist eine aeusserst begrenzte Ressource und keine Basis fuer eine dauerhafte Energieversorgung."

Ranua ist eine von mehreren Gemeinden in Nordfinnland, in denen der franzoesische Atomkonzern Areva Uran abbauen moechte. In einem Joint Venture aus Areva und dem deutschen Siemens-Konzern betreibt das Unternehmen in Finnland bereits den Bau des ersten EPR-Reaktors. Bis heute wurden mehr als 1.000 Fehler beim Bau registriert, die Kosten haben sich vervielfacht und die Fertigstellung ist laengst ueberfaellig. Aufgrund systematischer Verstoesse gegen Vorschriften hatte die finnische Aufsichtsbehoerde zwischenzeitlich einen Baustopp verhaengt.

In Ranua leben etwas mehr als viereinhalb Tausend Menschen. Das Gemeindegebiet hat eine Flaeche von etwa 3.700 Quadratkilometern. Etwa 70 % der Flaeche besteht aus Sumpfgebieten. Ein Uranabbau wuerde den Menschen ihrer Lebensgrundlage berauben, wenn sie nicht mehr Beeren und Pilze sammeln, wilde Pflanzen Sammeln, Renntierzucht, Fischen und Landwirtschaft betreiben koennten. Bergbau und Atommuell in der verletzlichen noerdlichen Natur wuerden ausserdem Europas letzten verblieben Wildnisgebiete fuer immer zerstoeren. In vielen Laendern wird die finnische Atompolitik genau beobachtet, um zu sehen, ob es einen neuen Trend in der Atomenergie gibt. Daher handelt es sich nicht nur um ein lokales Anliegen handelt, sondern Bedeutung fuer alle Menschen in Europa und der Welt hat.
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.