Konferenz fordert faire und ökologische Regeln für den Welthandel

„Gipfelrhetorik ist überholt“

Berlin, 12. Januar 2010. Mehr als 300 deutsche und internationale Fachleute und zivilgesellschaftliche Akteure versammeln sich heute, um über die künftige Rolle des Agrarhandels im Spannungsfeld der Klima-, Ernährungs- und Wirtschaftskrise zu diskutieren.
Die hohe Beteiligung spiegele die Brisanz des Themas wider, so die Veranstalter der Konferenz, die Heinrich-Böll-Stiftung (www.boell.de) und das katholische Hilfswerk MISEREOR.

 

„Das Zusammenkommen der Krisen und das Unterlassen von nötigen politischen Entscheidungen haben zusätzlich rund 150 Millionen Menschen in den Hunger getrieben. Die oberflächlichen Festlegungen, die 2009 auf dem Welternährungsgipfel, der WTO- und der Klimakonferenz beschlossen wurden, bieten keine Lösungen für die entstehenden Probleme“, so das Fazit von Josef Sayer, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. „Die existierenden Institutionen schaffen es offensichtlich nicht, wirksame Antworten auf die Auswirkungen und Herausforderungen der verschiedenen Krisen zu entwickeln. Der Reformbedarf ist immens. Wir brauchen endlich neue und verbindliche Regeln zum armutsorientierten Klimaschutz und Welthandel“ erklärt Barbara Unmüßig, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung.

„Die wachsweiche Gipfelrhetorik des letzten Jahres ist überholt“, erklärt Unmüßig mit Blick auf den Berliner Agrarministergipfel am 16. Januar. Im Vorfeld dieses Gipfels veranstaltet Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf der Grünen Woche gemeinsam mit den Verbänden der deutschen Agrarwirtschaft ein Forum zu Landwirtschaft und Klimawandel. Zivilgesellschaftliche Organisationen waren dort als Mitveranstalter nicht erwünscht. „Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Bundesregierung die Verschränkung von Klima- und Hungerkrise in den Blick nimmt. Bei den Schlussfolgerungen dürfen allerdings nicht die Interessen der Agrarkonzerne im Vordergrund stehen“, so Unmüßig. Klimaschutz erfordere auch von der deutschen Agrarwirtschaft ein grundlegendes Umdenken. Die blinde Steigerung von Produktion und Exporten zerstöre die Umwelt und verschärfe die Armut in Entwicklungsländern.

Die heutige Konferenz „EcoFair Rules!“ bietet all denjenigen ein Forum, die über sozial und ökologisch nachhaltige Wege aus der Hungerkrise diskutieren möchten. Das Menschenrecht auf Nahrung muss endlich zu einer wichtigen Messlatte globaler Verhandlungen zum Klimaschutz und Welthandel werden. Experten wie Olivier De Schutter, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, und Rajeswari Raina, Mitautorin des Internationalen Agrarberichts (IAASTD), liefern dazu wichtige Impulse. „Der Klimagipfel in Kopenhagen hat auch daran gekrankt, dass die zivilgesellschaftliche Partizipation nicht angemessen beachtet wurde“, so Josef Sayer. „Unsere Partner aus den Südkontinenten - Kleinbauern, Landarbeiter, Kleinfischer und Slumbewohner - haben kreative Lösungen anzubieten, von denen wir lernen können. Dem müssen auch die Agrarminister Rechnung tragen. 2010 muss das Jahr des Aufbruchs zu einer gerechteren, umweltfreundlicheren und von Hunger befreiten Welt sein!“

Weitere Informationen zur Konferenz unter:
www.boell.de/wirtschaftsoziales/welthandel/welthandel-812...

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