Artenvielfalt nimmt weltweit weiter ab

Asien-Marienkäfer bedroht 1.000 heimische Arten

London/Wien (pte/03.07.2009/13:50) - Immer noch ist der Artenreichtum, die Biodiversität, der Erde im Abnehmen. Nach neuesten Zahlen der Internationalen Naturschutzunion IUCN http://www.iucn.org kann das Ziel einer Verringerung des Artensterbens bis 2010 nicht erreicht werden. Ein Drittel aller Amphibien, ein Viertel aller Säuger und jede achte Vogelart sind vom Aussterben bedroht. Die Analyse basiert auf insgesamt 44.838 Arten, die auf der Roten Liste der IUCN http://www.iucnredlist.org stehen.

"Ein Mitgrund für die arge Bedrängnis vieler Tier- und Pflanzenarten ist die Einschleppung fremder Arten", erklärt der Zoologe Heinz Grillitsch vom Wiener Naturhistorischen Museum http://www.nhm-wien.ac.at gegenüber pressetext. Wie problematisch die Situation mit den Neobiota - wie eingeschleppte fremde Arten bezeichnet werden - ist, haben britische Forscher um Helen Roy vom Centre for Ecology and Hydrology festgestellt. Der eingeschleppte Harlekin-Marienkäfer aus Asien, der als Blattlausvertilger eingeführt wurde, hat in weniger als vier Jahren die meisten Teile Großbritanniens erobert und bedroht dort mehr als 1.000 heimische Arten. "Neue Arten sind manchmal im Vorteil gegenüber den heimischen und damit erfolgreicher", so Grillitsch. Ähnliches kann der Herpetologe auch von den ausgesetzten Schmuckschildkröten in der Umgebung von Wien erzählen. "Die winterfesten Tiere aus Nordamerika, die von Aquarienbesitzern freigelassen wurden, sind eine Bedrohung für die heimische Europäische Sumpfschildkröte geworden."

"Mit der Einführung fremder Arten werden zudem auch fremde Parasiten eingeschleppt. Die Folgen davon sind vielfach noch nicht untersucht und können daher kaum bewertet werden", so Grillitsch. Die Ausbreitung solcher Parasiten sei durchaus mit einer Pandemie von Krankheitserregern vergleichbar, die sich über den ganzen Erdball verteilen. "Es gibt auch die Vermutung, dass der Chytrid-Pilz, dem große Mengen von Froschlurche zum Opfer fallen, vom Menschen mitverbreitet wurde." Dieser Pilz kann wahrscheinlich ganze Populationen auslöschen. Derzeit ist die Erkrankung meldepflichtig, da sie weltweit eine ganze Tiergruppe betrifft.

Das große Problem beim Verlust der Artenvielfalt sieht Grillitsch in der mangelnden Aufmerksamkeit dafür. "Der Verlust der Biodiversität hat möglicherweise für den ganzen Erdball katastrophale Folgen, doch das Sensorium in der Öffentlichkeit fehlt vielfach." Wenn Nahrungsketten durchbrochen und das gesamte ökologische System überfordert werden, werden auch natürliche Kreisläufe, die wichtige Regulationsmechanismen erfüllen, gestört. Die Natur habe eine relativ große Toleranz, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. "Danach gerät das System völlig außer Kontrolle, denn die gesamte Biologie setzt auf den Hebel der Vielfalt an", meint der Forscher. Bisher hätten die Menschen erst dann gehandelt, wenn eine Katastrophe hereingebrochen sei.

"Wir sind weit davon entfernt, dass Regierungen große Anstrengungen zum Erhalt der Biodiversität und damit etwas zur Trendwende unternehmen", so Jean-Christophe Vie, Deputy Head des IUCN-Spezies-Programms. "Es wäre höchste Zeit endlich zu verstehen, dass die Natur das größte Unternehmen der Erde ist, das für die Existenz der Menschheit zum Nulltarif arbeitet. Daher müssen Regierungen noch mehr Anstrengungen zum Erhalt der Umwelt unternehmen als etwa zur Beseitigung der Wirtschaftskrise." (Ende)

http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=090703023
Aussender: pressetext.austria
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