Fischerei tötet Millionen Meeresschildkröten

1270640174i2228Forscher kritisieren nicht nachhaltigen Fischfang

Geschlüpfte Schildkröten auf dem Weg zum Meer (Foto: pixelio/korneloni)

Durham/Wien (pte/07.04.2010/15:30) - Der kommerzielle Fischfang hat in den vergangenen 20 Jahren Millionen von Meeresschildkröten getötet. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von US-Wissenschaftlern im Fachmagazin "Conservation Letters". Die Forscher um Bryan Wallace von der Duke University http://www.duke.edu haben erstmals eine Untersuchungen über die Beifänge bei der Langleinen und Netzfischerei zusammengefasst.

"Direkte Beobachtungen und Interviews mit Fischern haben uns gezeigt, dass zwischen 1990 und 2008 etwa 85.000 Schildkröten gefangen wurden", so Wallace. Doch diese Zahlen betreffen nur ein Prozent der weltweiten Fischereiflotte. Informationen über die lokale kleinräumige Fischerei gebe es keine, so der Forscher, der auch als wissenschaftlicher Berater des Sea Turtle Flagship Program bei der Conservation International http://www.conservation.org ist. "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen um ein Vielfaches höher liegen."

Höchste Beifänge in Mexiko und in der Adria

Die höchste Zahl an Schildkröten als Beifang in der Langleinen-Fischerei konnten die Wissenschaftler vor der Küste der mexikanischen Halbinsel Baja California ausmachen. Die höchsten Beifänge bei Treibnetzen gab es in der Nördlichen Adria, die höchsten Beifänge in der Schleppnetzfischerei vor der Küste Uruguays.

"Die kommerzielle Fischerei zählt zu den größten Problemen für die Meeresschildkröten überhaupt", meint auch der Meeresbiologe Michael Stachowitsch von der Universität Wien http://www.marine.univie.ac.at im pressetext-Interview. In den USA gebe es bereits Netze, die mit einem sogenannten Turtle Excluder Device TED ausgestattet sind, damit die Schildkröten den Netzen entkommen können. "In Europa sind die Fischer nicht dazu verpflichtet, sie zu verwenden", so Stachowitsch.

Schutz schwierig

"Der Schildkrötenschutz ist deshalb schwierig, da er an zwei Stellen ansetzen muss", erklärt Stachowitsch. "Einerseits an den Stränden, an denen die Tiere ihre Eier ablegen, andererseits auf hoher See. Meeresschildkröten legen tausende Kilometer im Wasser zurück. Daher kann der Schutz dieser Tiere nur auf internationaler Ebene greifen." Stachowitsch, der in der Türkei ein Schildkrötenschutzprogramm für die Unechte Karettschildkröte betreut, betont, dass von 1.000 geschlüpften Jungtieren nur jedes Tausendste das Erwachsenenalter erreicht.

Eine andere Lösung wäre die Verwendung von sogennanten C-Haken in der Langleinen-Fischerei. "Die bisher verwendeten J-Haken bleiben den Schildkröten im Rachen stecken und führen zum Tod. Die wie der Buchstabe C geformten Haken hingegen nicht." Auch Studienautor Wallace argumentiert damit, dass es unbedingt zwingende Richtlinien für die Ausrüstung in der Hochseefischerei geben müsse.

Vorbilder im Fischereimanagement

Ein vorbildliches Fischereimanagement gibt es beispielsweise bei der Hawaiianischen Langleinenfischerei und bei der Australischen Shrimpfischerei. "In beiden Gebieten konnte durch einer engen Zusammenarbeit zwischen den Fischern und Regierungsvertretern die Menge des Beifangs signifikant verringert werden", so Wallace. Dabei wurde das Fischereiequipment verändert und innovative Technologien eingesetzt.

Eine Chance die Meeresschildkröten stärker zu schützen, biete auch die Online-Datenbank TurtleWatch http://seaturtlewatch.com, die als real-time-Datenbank auf brütende Schildkröten aufmerksam macht. Eine andere Möglichkeit wäre die Errichtung mariner Schutzzonen. (Ende)

Aussender: pressetext.austria

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