Mehrwegflaschen verschwinden aus österreichischen Regalen

1245156157i21383.jpgUmweltschützer werfen Politik Kniefall vor der Industrie vor

Wien (pte/16.06.2009/13:48) - Einer aktuellen Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace http://www.greenpeace.at zufolge befinden sich in den Supermarktregalen in Österreich immer weniger Getränke in Mehrweg-Pfandflaschen. In all den für den Einkaufsratgeber marktcheck.at http://www.marktcheck.at überprüften Supermarkt-Filialen konnte keine einzige Limonade in einem Mehrweg-Gebinde gefunden werden. Sämtliche Getränke waren ausschließlich in den Umwelt und Klima besonders belastenden Einweg-Gebinden verpackt. Mitarbeiter des Einkaufsratgebers haben seit dem Frühjahr 2008 Supermarkt-Filialen im gesamten Land überprüft.

Die INITIATIVE mehrweg.at http://www.mehrweg.at, die seit 1998 besteht und sich als österreichische Plattform zur Förderung von Mehrweggetränkeverpackungen und Mehrweg-Transportverpackungen sieht, setzt sich massiv für den Fortbestand der Mehrweggebinde ein. "Den ökologischen Mehrwegflaschen in Österreich droht jetzt der endgültige Todesstoss, obwohl Mehrweg Klimaschutz bedeutet", meint die Umweltsystem-Forscherin Ulrike Kabosch für die INITIATIVE mehrweg.at gegenüber pressetext. Still und leise wären die Mehrweg-Gebinde aus den Regalen verschwunden. Lediglich bei Bier ist die Mehrwegflasche erhalten geblieben. Mit den deutlich günstigeren Dosenbier-Preisen zwinge die Bier-Industrie allerdings die Kleinabfüller in die Knie, denn die könnten sich die wesentlich teureren Abfüllmaschinen für Dosenbiere nicht leisten.

Bereits zweimal habe der Umweltminister auf eine strengere gesetzliche Schutzmaßnahme für wiederbefüllbare Mehrwegflaschen verzichtet, weil Getränkewirtschaft und Handel wiederholt versprochen haben, Mehrwegsysteme durch freiwillige Maßnahmen zu fördern, meint Kabosch. Die Wirtschaft habe beide Male versagt, die Mehrweg-Quoten befinden sich im freien Sinkflug. "Coca Cola hat nun nach der Glasflasche auch die Mehrweg-PET-Flasche sterben lassen, und die Wirtschaft will dem Umweltminister erklären, dass ein paar simple Klimaschutzmassnahmen mehr bringen als abfallvermeidende, ressourcenschonende Mehrwegsysteme, die die Klein- und Mittelbetriebe fördern", meint Kabosch.

Besonders dramatisch sehe es auch in den Diskontmärkten aus, wie marktcheck.at beobachtet hat. Hofer, Lidl und Penny führen sämtliche Getränke überhaupt nur mehr in Einweg-Verpackungen. Dass dies dramatische Auswirkungen auf die Ökobilanz hat, rechnet Greenpeace vor. Getränke-Verpackungen haben 2007 mehr als 415.000 Tonnen an CO2-Äquivalenten in Österreich verursacht. Das entspricht den jährlichen Emissionen einer mittelgroßen Landeshauptstadt.

Die Diskussion über die Vor- und Nachteile von Mehrweggetränkeverpackungen werde sehr kontroversiell geführt, gibt Greenpeace zu. Kaum in einem anderen Bereich differieren Studienergebnisse, Expertisen und öffentliche Meinungen so stark wie bei der Frage nach der Vorteilhaftigkeit dieser oder jener Verpackungsart. Eine Folge daraus ist, dass alle Ökobilanzergebnisse nun als nicht repräsentative "Auftragsstudien" abgetan werden und jeder die ihm passende Version vertritt. Dennoch existieren trotz aller wissenschaftlicher Komplexität einige seriöse Studien, aus denen zumindest grobe, wissenschaftlich abgesicherte Aussagen abgeleitet werden können.

Einweggetränkeverpackungen aus Glas erzeugen gegenüber Glas-Mehrweg rund das 30-fache, jene aus PET das Doppelte an Abfall. Vergleicht man die Einwegverpackungen mit PET-Mehrweg ist das Ergebnis noch dramatischer: 90-mal mehr Abfall von Glas-Einweg und sechsmal mehr bei PET-Einweg. Mehrwegflaschen aus Glas werden in der Praxis bis zu 40-mal, Mehrwegflaschen aus Kunststoff bis zu 20-mal wiederbefüllt.

Einweggetränkeverpackungen verbrauchen zudem mehr Energie als vergleichbare Mehrwegverpackungen: Mineralwasser benötigt beispielsweise je nach Gebindeart vier bis achtmal mehr Energie (thermische und elektrische), Bier in etwa das Doppelte bis Dreifache. Dabei sind die Einsparungen durch die Altglas- und Altmetallsammlung und -verwertung sowie die Energiegewinnung aus der Verbrennung von PET (z.B. Fernwärmenutzung) bereits berücksichtigt. Sehr hoch sind auch die Einsparungen von Rohstoffen durch Mehrweggetränkeverpackungen gegenüber Einweg. So verbrauchen Glas-Einwegverpackungen gegenüber Glas-Mehrweg (Umlaufzahl bis 40) rund 50-mal soviel Primärrohstoffe, PET Einweg-Verpackungen im Gegensatz zu PET-Mehrweg (Umlaufzahl bis 20) rund 17-mal soviel Primärrohstoffe (hauptsächlich Erdöl). (Ende)

http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=090616040
Aussender: pressetext.austria

Bild: Mehrwegflaschen bedeuten Klimaschutz (Foto: pixelio.de/McRommy)
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