Ozeanversauerung geht schneller als je zuvor

 

1285599304i27892Mehr als 200 Forscher beraten im AWI-Bremerhaven

Muscheln: Harte Zeiten in immer saureren Ozeanen (Foto: Didier Derrien/pixelio.de)

Bremerhaven (pte/28.09.2010/06:00) - Seit Beginn der Industrialisierung haben die Ozeane bereits soviel CO2 aufgenommen, dass die Säuremenge in den Weltmeeren um 30 Prozent zugenommen hat. Die Weltmeere nehmen jährlich etwa ein Drittel des globalen CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger auf. Dabei bildet sich Kohlensäure und der pH-Wert des Wassers sinkt. Viele Meeresorganismen wie etwa Kalkalgen, Muscheln und Schnecken haben dann Schwierigkeiten, ihre Schalen oder Skelettstrukturen zu bilden.

 

Mehr als 200 Forscher aus Europa beraten derzeit unter Schirmherrschaft des Alfred Wegener Instituts http://www.awi.de in Bremerhaven über die zunehmende Ozeanversauerung. Dabei werden die Wissenschaftler der Großprojekte EPOCA (European Project on Ocean Acidification) http://www.epoca-project.eu, BIOACID (Biological Impacts of Ocean ACIDification) http://www.bioacid.de und UKOARP (UK Ocean Acidification Research Program) http://www.oceanacidification.org.uk über die neuesten Erkenntnisse diskutieren.

Bisher immer natürliche Ereignisse

"Wir machen heute ein Experiment, das unglaubliche Dimensionen hat", meint Jelle Bijma, mariner Biogeologe am Alfred-Wegener-Institut im pressetext-Interview. Um die Ozeanversauerung zu verstehen, müsse man einen Blick in die Erdgeschichte werfen. "An verschiedenen Stellen in der Erdgeschichte haben Ozeanversauerungsereignisse ihre Fingerabdrücke im Sediment hinterlassen", erklärt der Forscher. Das sei beispielsweise an der Grenze vom Perm zur Trias vor 251 Mio. Jahren und an der Paleozän-Eozän Grenze vor 55 Mio. Jahren geschehen.

"Doch die damalige Versauerung wurde immer durch natürliche Ereignisse verursacht", betont der Forscher. "Heute wird sie durch den viel zu hohen CO2-Eintrag durch menschliche Aktivität ausgelöst und das Meer ist immer weniger in der Lage, diese Störungen abzupuffern", so Bijma. An der Paleozän-Eozän-Grenze waren es rund zwei bis drei Gigatonnen CO2 jährlich, heute sind es 30 Gigatonnen . "Deutlich wird auch, dass die Versauerungsereignisse fast immer von einer globalen Erwärmung, einer erhöhten Stratifizierung der Ozeane und einer Verringerung des Sauerstoffgehaltes der Tiefsee begleitet wurden."

Unglaubliches Tempo beunruhigt

"Es ist nicht das erste Mal in der Erdgeschichte, dass die Ozeane versauern, beunruhigend ist aber, dass es diesmal sehr viel schneller passiert als je zuvor", meint Bijma. Dabei sinke nicht nur der pH-Wert, sondern auch die Karbonatsättigung der Ozeane nimmt ab. "Für Lebewesen, die Kalk-Skelette bilden - wie etwa Korallen, Muscheln und Schnecken - brechen harte Zeiten an. Ein weiteres Problem ist zudem, dass eine chemische Erholung 100.000 Jahre dauert", erklärt Bijma.

Nicht in allen Regionen der Erde hat die CO2-Belastung die gleichen Auswirkungen. "Gerade in den kalten Ozeanen polarer Regionen ist die Löslichkeit für CO2 besonders groß, so dass im Gegenzug auch die Karbonat-Ionenkonzentration geringer ist und diese Verknappung für die dort lebenden Organismen besonders schwerwiegend ist", erklärt Hans-Otto Pörtner, Tierphysiologe am Alfred-Wegener-Institut und stellvertretender Koordinator des Großforschungsprojektes BIOACID. "Da bei kalten Temperaturen auch viele Stoffwechselprozesse verlangsamt ablaufen, ist die Fähigkeit polarer Organismen, eine erhöhte CO2-Konzentration zu kompensieren, möglicherweise zudem noch eingeschränkt." (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland

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