klimawandel

Kopenhagen baut Schnellstraßen für Radfahrer

1291031173i7510Zurückdrängung des Autos zugunsten des Fahrrades

Kopenhagen/Berlin (pte/29.11.2010/13:50) - Kopenhagen und Amsterdam sind Europas Fahrradhauptstädte und wollen dies auch in Zukunft bleiben. Um den täglichen Fahrradstaus gerecht zu werden, rüstet die dänische Hauptstadt derzeit eine ihrer wichtigsten Einfahrtsstraßen zu einer Fahrrad-Schnellstraße um. "Kopenhagen setzt konsequent auf das Fahrrad. Der Erfolg davon ist, dass es heute für alle sozialen Gruppen das selbstverständlichste und wichtigste Verkehrsmittel geworden ist", erklärt Arne Koerdt, Leiter der Fahrradakademie http://www.fahrradakademie.de am Deutschen Institut für Urbanistik, im pressetext-Interview.

Autobahn ohne Autos

Europas meistbefahrener Fahrrad-Stadtweg ist schon heute die Noerrebrogade in Kopenhagen. 36.000 Radfahrer passieren täglich die Haupteinfahrtsstraße, die von den Vororten bis ins Stadtzentrum reicht, bereits seit 2006 gibt es zudem eine grüne Welle bei Tempo 20. Aufgrund des hohen Radaufkommens wird die Stadt nun die Fahrradstreifen auf vier Meter in jeder Fahrtrichtung ausweiten, was auf Kosten der Autofahrbahn geht. Letztere werden künftig nur Busse benützen, während Autos auf eine parallele Nebenstraße ausweichen müssen.

Weiters errichtet die Stadt, deren Bewohner schon heute 55 Prozent ihrer Verkehrswege mit dem Rad zurücklegen, Wartungsstationen zum Aufpumpen von Reifen, Einhängen von Ketten oder Wassertrinken. Erklärtes Ziel der Verkehrspolitiker ist es, das Potenzial der Pendler aus den Vorstädten noch besser nützen. Steigen diese heute zu 37 Prozent auf das Rad, sollen es in fünf Jahren 50 Prozent sein, so das erklärte Ziel. Erreichen will man dies durch zwei weitere Fahrrad-Einfahrtsstraßen und durch konsequenten Vorrang für Radler. Ähnlich sieht man auch in den Niederlanden neue Radwege als Maßnahme zur Stauvermeidung auf der Straße.

So selbstverständlich wie Zähneputzen

"Damit eine Stadt aufs Rad steigt, braucht es nicht nur Infrastruktur, sondern auch gute Kommunikation mit der Öffentlichkeit", betont Koerdt. Die Verankerung in den Alltag, die man damit erreicht, gibt es in Kopenhagen längst. "Wer in Kopenhagen Fahrrad fährt, bezeichnet sich selbst nicht als Radfahrer - ebenso wie sich niemand als Zähneputzer sehen würde." Günstig sei auch der Trend zu den E-Bikes, mit denen wegen ihrer höheren Geschwindigkeit ohne Schwitzen auch Anfahrten von zehn bis 15 Radkilometern in Kauf genommen werden.

Die beiden Auto-Alternativen Fahrrad und öffentlicher Verkehr schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich sinnvoll, betont der Fahrradexperte. "Teils werden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen, teils wollen manche Menschen nicht auf den selbstbestimmten Individualverkehr verzichten. Grundsätzlich kostet es jedoch viel Geld, um den Anteil des öffentlichen Verkehrs um einige Prozentpunkte zu heben. Setzt man um dieses Geld auf mehr Radverkehr, sind die Effekte aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus in der Regel größer."

Greifswald, Salzburg und Bern haben Nase vorne

Viel geradelt wird im deutschsprachigen Raum besonders in Greifswald und Münster, wo das Fahrrad einen Verkehrsanteil von rund 40 Prozent erreicht. Radlerstädte sind auch Freiburg und Bremen, sowie Salzburg, Graz, Bern und Basel. "Daneben gibt es Städte, die zwar anteilsmäßig im Rückstand sind, jedoch neuerdings besondere Anstrengungen für die Verbesserung der Infrastruktur zeigten. Dazu gehören Frankfurt, Köln, Berlin, Karlsruhe und Kiel", so Koerdt. (Ende)

pressetext.redaktion

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