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Klimakatastrophe zur Kreidezeit bisher unterschätzt

1255601329i16374.jpgGesteinsproben zeigen extrem lange Dauer des CO2-Abbaus

Michael Waigraich: "Rückkehr zu einem normalen Klima dauert sehr lange" (Foto: privat)

Wien (pte/15.10.2009/12:15) - Die extremen Klimaänderungen, die während der Kreidezeit vor sich gingen, haben die Erde stärker belastet als man bisher angenommen hat. Zu diesem Schluss kommen Michael Wagreich und Stephanie Neuhuber Department für Geodynamik und Sedimentologie der Universität Wien http://geologie.univie.ac.at im Rahmen eines internationalen UNESCO-Projekts. Die Untersuchungen zeigen, dass das Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre, das in dieser Epoche heutige Konzentrationen bis auf das Sechsfache überstiegen haben dürfte, nur sehr langsam abgebaut wurde. Die Wissenschaftler sehen darin den Hinweis, dass die Ausmaße des derzeitigen globalen Klimawandels bisher unterschätzt wurden und höher angesetzt werden müssten.


Die Forscher untersuchten Meeresablagerungen aus der jüngeren Kreidezeit vor 100 bis 65 Mio. Jahren. An unterschiedlichen Standorten wurden dabei Vorkommen von Schwarzschiefer und Rotsedimenten analysiert, die beide als wichtige Klimaindikatoren gelten. Schwarze Tone in Sedimenten weisen auf die Existenz von sauerstoffarmen Todeszonen der Ozeane hin. Zustande gekommen sind diese durch eine Überdüngung durch Nährstoff, infolge derer die Planktonblüte zunahm und giftige Schwefelwasserstoffe freigesetzt wurden. Das habe zum massiven Aussterben mariner Lebewesen geführt. Rote Ablagerungen zeigen hingegen das gegenteilige Extrem des sauerstoffreichen Bodenwassers an, das Eisen zu Hämatit oxidieren ließ.

Der Vergleich von Sedimenten des Nordatlantiks, der Alpen, der Türkei, Tibets und Neuseelands zeigt, dass Schwarzschiefer und Rotablagerungen global gleichzeitig und mehrmals gebildet wurden. In den Zwischenzeiten gab es statt langer Übergangsphasen abrupte klimagesteuerte Abfolgen von roten zu schwarzen Ablagerungen. "Der Zeitraum bis zur Rückkehr zu einem 'normalen' Klima ist sehr lang, was einen pessimistischen Ausblick für die heutige Klimaentwicklung bedeutet", so die Schlussfolgerung Wagreichs. Scheinbar sei der Abbau des Treibhausgases CO2 um eine Größenordnung langsamer abgelaufen als der Aufbau, weshalb ein von Menschen in kürzester Zeit verursachtes Treibhausklima die Erde auch über erdgeschichtlich lange Zeiträume beherrschen dürfte.

Download des UNESCO-Berichts unter http://www.cretaceousworld.com/IGCP555.asp (Ende)

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